Schokolade – Gut fürs Herz?

schokolade herz

Frühere Studien haben Schokolade immer wieder positive Effekte auf die Gesundheit attestiert. Eine Metaanalyse untermauert dieses Ergebnis. Sogar Herzspezialisten sind von der Wirkung überzeugt.

 

Schokolade gilt vielen als Figurfeind Nummer eins. Doch das vermeintliche Hüftgold bewirkt auch Gutes. Und zwar für die Gesundheit. Das bestätigt nun eine Übersichtsstudie. Das Team um Oscar Franco von der englischen Universität Cambridge beschreibt im „British Medical Journal“, dass fleißige Schokoladen-Esser deutlich seltener an gefährlichen Herz- und Gefäßerkrankungen leiden. Sie haben ein um 37 Prozent niedrigeres Risiko für Herzinfarkt oder andere Herz-Kreislauf-Leiden als diejenigen mit einem sehr niedrigen Konsum. Das Schlaganfallrisiko liegt bei den Schokoladen-Liebhabern um 29 Prozent niedriger.

 

Steffen Massberg, Leitender Oberarzt an der Klinik für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen am Deutschen Herzzentrum in München, glaubt der Studie. „Den Daten nach ist der Effekt sehr wahrscheinlich“, sagt er. Neu sei das Ergebnis zwar nicht, da es ja nur andere Studien zusammenfasse. Aber genau darin sieht er den Vorteil: „Die Qualität der Studie ist, dass sie multizentrisch angelegt ist und somit extrem viele Patienten erfasst.“ Die Wissenschaftler um Oscar Franco haben die Daten von sieben Untersuchungen mit insgesamt mehr als 114 000 Teilnehmern ausgewertet.

 

 

Sechs Gramm pro Tag sollen schon wirken

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Schokolade haben in den letzten Jahren bereits verschiedene kleinere Studien nachgewiesen. Beispielsweise zeigte eine deutsche Langzeitstudie, die Wissenschaftler des Deutschen Institutes für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam durchführten, dass nur sechs Gramm dunkle Schokolade am Tag den Blutdruck innerhalb von 48 bis 72 Stunden nachweislich senken. Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sei bis zu 39 Prozent geringer als das von Menschen, die nur sehr wenig oder keine Schokolade äßen, schrieben die Forscher im Fachmagazin „European Heart Journal“.
Ihre italienischen Kollegen von der Katholischen Universität in Campobasso wiesen nach, dass 6,7 Gramm dunkle Schokolade täglich genügen, um das Herz-Kreislauf-System vor Entzündungen und daraus resultierenden Krankheiten zu schützen. Wissenschaftler der EASL (European Association for the Study of the Liver) zeigten sogar, dass dunkle Schokolade die ausgeprägten Probleme, die eine Leberzirrhose hervorruft, mindern kann, dazu außerdem vor allem Gefäß- und Blutdruckprobleme.

 

 

Inhaltsstoff bindet freie Radikale

Der gesundheitlich wirksame Inhaltsstoff ist das in Kakao enthaltene Flavonol. Flavonoide sind eine Gruppe von Pflanzenfarbstoffen, die vor allem in Früchten und Gemüse, aber auch in Rotwein und Tee vorkommen. Sie binden sehr reaktionsfreudige, zellschädigende Stoffe, sogenannte freie Radikale, die im engen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen und Krebs stehen. Flavonoide sind in dunkler Schokolade besonders reichlich vorhanden, bestätigt Steffen Massberg. Bitterschokolade ist also besonders gesund. Eine direkte Vergleichsstudie zwischen Bitterschokolade und Milchschokolade existiere aber noch nicht.

 

Die bekannte Medizinzeitschrift „The Lancet“ steht dem Schokoladengenuss eher kritisch gegenüber. Sie warnte 2007 in einem Editorial vor dem ungebremsten Genuss von Zartbitter & Co. Da Flavonole ausgesprochen bitter schmecken, würden viele Schokoladen- und Pralinenhersteller sie während der Produktion entfernen. Außerdem sei der tatsächliche Flavonolgehalt so gut wie nie auf der Verpackung angegeben. Der Konsument wisse also nie, ob und wie viel Herzschutz er mit einem Schokoriegel oder einer Schachtel Pralinen verspeise. Fest stehe nur der Fett-, Zucker- und Kaloriengehalt.

 

 

Flavonolgehalt am Geschmack erkennbar

„Dunkle Schokolade schmeckt aber deutlich bitterer als helle Schokolade“, erklärt Steffen Masberg. Schon am bitteren Geschmack könne der Konsument also den Gehalt erkennen. Flavonoide seien zudem nicht die einzigen Stoffe, die gesundheitsfördernd wirken. Den sogenannten Phenolen, ebenfalls Stoffe, die Radikale aufnehmen, wird eine ähnliche Wirkungsweise wie den Flavonoiden zugeschrieben. Außerdem verweist der Kardiologieprofessor darauf, dass die von Oscar Franco ausgewerteten Studien mit „kommerzieller Schokolade“ durchgeführt worden seien und trotzdem die gesundheitsfördernde Wirkung gezeigt hätten.

 

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