Rückenschmerzen können durch eine falsche Haltung und zu intensives Training hervorgerufen werden. Besonders eine andauernde, einseitige Belastung zieht dabei Muskeln und Gelenke in Mitleidenschaft. Wie dies zu Rückenschmerzen führt und was man dagegen tun kann, dazu schreibt diese Woche unser Gesundheitskolumnist, Heilpraktiker und Schmerztherapeut Horst Boss.

 

Bei Haltungsstörungen handelt es sich um Abweichungen von der normalen Körperhaltung. Dabei können Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke betroffen sein. Unterschieden wird zwischen einer Haltungsschwäche, bei der anfangs noch keine Schäden an Knochen und Gelenken zu finden sind und einem Haltungsschaden mit bereits strukturellen Veränderungen, also Abnutzungserscheinungen z. B. an den Wirbeln, und den daraus resultierenden Schmerzen.

 

Ursachen für Fehlbelastungen an der Wirbelsäule

Ständige Fehlhaltungen bzw. einseitige Arbeiten am Arbeitsplatz (z. B. Kassiererin an der Kasse, Zahnarzt am Stuhl usw.), Arbeiten am PC oder schwere körperliche Arbeiten führen zu den häufigsten Fehlbelastungen der Wirbelsäule. Nicht zu vergessen die oft falschen Sitzmöbel, Matratzen, falschen Schuhe und natürlich Übergewicht. Bewegungsmangel und somit eine zu schwache Rückenmuskulatur bringen das Fass dann zum Überlaufen. Aber auch ein Beckenschiefstand und die daraus resultierenden unterschiedlichen Beinlängen zwingen die Wirbelsäule infolge zu einer ungewollten Krümmung. Nicht selten wird das Geschehen dann durch intensives Training und Muskelaufbau zusätzlich verstärkt. Kreuzschmerzen signalisieren nämlich nicht, dass die Muskulatur in diesem Bereich unbedingt weiter gestärkt werden muss.

 

Bekannte Haltungsschäden

Skoliose: Seitverbiegung der Wirbelsäule. Diese wird nicht selten durch einen Beckenschiefstand bzw. ungleiche Beinlängen hervorgerufen. Diese wird nicht selten durch einen Beckenschiefstand bzw. ungleiche Beinlängen hervorgerufen.

Kyphose: Rundrücken bzw. verstärkte Krümmung der Wirbelsäule im Brustbereich.
Bei Jugendlichen kann eine Buckelbildung durch Morbus Scheuermann entstehen. Vor allem Jungen in der letzten Entwicklungsphase sind davon betroffen. Verantwortlich gemacht werden Stoffwechselstörungen, Bewegungsmangel und Fehlbelastungen.

Lordose: Hohlkreuz bzw. verstärkt einwärts gerichtete Krümmung der Wirbelsäule.
Bei verstärkter Lordose können sogar die inneren Bauchorgane in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.

 

Wie wird behandelt?

Jedenfalls nicht mit „hau ruck“ und endlosen Massagen. Therapiemäßig gibt es mannigfache Ansätze. Viele Therapien halten nicht das was sie versprechen. Wochen, Monate und jahrelange Behandlungen gehen ins Land. Und irgendwann ist man selbst davon überzeugt: „Mit diesen Schmerzen muss ich eben leben.“ Doch geben Sie sich damit nicht zufrieden! Natürlich gibt es Fälle, bei denen sich, aufgrund des Geschehens, einfach rein manuell kein Erfolg einstellt. Doch die meisten Patienten, und das sind immerhin ca. 90 Prozent, haben altersunabhängig die berechtigte Chance, dass ihre Schmerzen ziemlich eingedämmt werden können und nicht selten sogar ganz verschwinden.

Zunächst muss man versuchen Fehlbelastungen zu vermeiden. Doch das ist oft leichter gesagt als getan. Vorrangig gilt aber, dass verspannte und somit im wahrsten Sinne des Wortes verkürzte Muskeln wieder entspannt bzw. regelrecht verlängert werden. Sodass der einseitige Zug auf die Gelenke wieder aufgehoben wird. Und das ist in ca. 90 Prozent der Fälle, im Rahmen bei einer bestimmten Drucktechnik (z. B. DOLORSTOP-Schmerztherapie), oft schon während der ersten oder in nur wenigen Sitzungen erreichbar. Damit wird die Dysbalance an Muskeln und Sehnen aufgehoben und das Gleichgewicht wieder hergestellt. Die Erfahrung zeigt: Ob bereits diagnostizierter Bandscheibenvorfall, Arthrose, Kalkschulter, Karpaltunnel usw. – lässt der meist einseitige Zug nach, gehören die die Schmerzen meist der Vergangenheit an. Zehn Jahre alte Diagnosen werden so nicht selten zu Makulatur.

 

Ohne tägliche Übungen geht es nicht

Jedoch bleibt dieser Zustand dann nicht ein Leben lang von alleine erhalten. Entscheidend für den anhaltenden Erfolg sind gezielte Übungen, die täglich gemacht werden, morgens und abends. Jeweils ca. zehn Minuten. Nur so bleiben die Muskeln gedehnt und entspannt. Ansonsten kommt man schnell wieder ins alte Fahrwasser und die Odyssee beginnt von Neuem.