Nicht ins kalte Wasser springen

Wie weise sind Volksweisheiten?

 

Mindestens zwei Regeln bekommt jedes Kind mit auf den Weg, wenn es zum ersten Mal ins Freibad oder in die Schwimmhalle geht: 1. Geh nicht nach dem Essen ins Wasser! 2. Spring nicht ins kalte Wasser, sonst bekommst Du einen „Herzschlag“ – Stimmen diese Volksweisheiten überhaupt? Richtigfit.de gibt die Antwort und viele Tipps zum sicheren Baden und Schwimmen.

 

Die Sache mit dem vollen Magen

 

Oma hatte nicht ganz unrecht, wenn sie sagte: „Junge, nach dem Mittagessen eine Stunde warten, bis Du wieder schwimmen gehst!“. Auch wenn es aus sportmedizinischer Sicht diese festgelegte Zeit nicht gibt, nach dem Essen braucht der Magen Energie, um zu verdauen. Er muss gut durchblutet werden. Dieses Blut geht der Energieversorgung für das Gehirn und die Muskeln verloren.

 

Wer in dieser Schwächeperiode, scherzhaft auch als „Suppenkoma“ bezeichnet, schwimmen geht, handelt fahrlässig. Denn geschwächte Muskeln neigen viel schneller zu Krämpfen. Das kann im tiefen Wasser gefährlich werden. Es gilt die Faustregel: Weder mit leerem noch mit vollem Magen schwimmen gehen. Ein kleiner Snack schadet auf keinen Fall.

 

Vor dem Eintauchen Abkühlen!

 

Auch an der Geschichte mit dem „Herzschlag“ ist etwas dran, obwohl der Begriff medizinisch nicht richtig ist. Ohne vorheriger Abkühlung ins Wasser zu springen, ist tatsächlich gefährlich. Der plötzliche Kältereiz kann im schlimmsten Fall einen sogenannten Immersionsschock hervorrufen. Dabei handelt es sich um ein akutes Kreislaufversagen, hervorgerufen durch Reflexe des vegetativen Nervensystems.

 

Außerdem ziehen sich die Blutgefäße durch den Kältereiz schnell zusammen, wodurch sich Gefäßablagerungen plötzlich lösen und an anderer Stelle zum Gefäßverschluss (Embolie) führen können. Deshalb gilt die alte Baderegel weiterhin: Vor dem Gang ins Wasser den Körper abkühlen und an die Wassertemperatur gewöhnen.

 

Krämpfe

 

Beim Schwimmen sind Krämpfe, vor allem Wadenkrämpfe, keine Seltenheit. Deshalb ist es grundsätzlich ratsam, nie allein weite Strecken in natürlichen Gewässern zu schwimmen. Ein Krampf im tiefen Wasser kann sehr gefährlich werden. Er löst starke Schmerzen aus, die Bewegungsfähigkeit des betroffenen Körperteils geht gegen Null, das Schwimmen wird fast unmöglich.

 

In so einem Fall ist Ruhe die größte Pflicht. Das Krampfbein muss angewinkelt und mit den Armen gepaddelt werden. Der Krampf löst sich meist nach kurzer Zeit von allein. Danach am besten in entspannter Rückenlage zurück ans Ufer schwimmen. Dort muss der betroffene Muskel gestretcht werden. Flüssigkeitsverlust und der Verlust von Elektrolyten wie Kalzium und Magnesium begünstigen das Entstehen von Krämpfen. Ebenso Kälte und Müdigkeit.

 

Gesunder Menschenverstand ist das Wichtigste

 

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft hat Regeln fürs sichere Schwimmen und Baden aufgestellt, die jeder beachten sollte. Vieles ist eine Sache des gesunden Menschenverstandes:

 

  1. Wer friert, sollte das Wasser sofort verlassen, sonst droht die Gefahr einer Unterkühlung. Besonders bei Kindern müssen die Eltern darauf achten. Sie merken beim Spielen im Wasser nicht, dass ihnen kalt ist. Zu „blauen Lippen“ sollte es gar nicht erst kommen.
  2. Schwimmen und Baden sollte nur, wer sich auch gesundheitlich wohl fühlt.
  3. Für Nichtschwimmer gilt: Nicht tiefer als bis zum Bauch ins Wasser gehen.
  4. Sprünge ins Wasser nur dann, wenn vorher klar ist, dass es tief genug und frei ist.
  5. Keiner sollte seine Kräfte und sein Können überschätzen.
  6. Nie um Hilfe rufen, wenn nicht wirklich Gefahr besteht!
  7. Nicht auf Luftmatratzen, Autoschläuche oder Gummitiere verlassen.
  8. Nicht baden und schwimmen, wo Schiffe und Boote fahren.
  9. Bei Gewitter sofort das Wasser verlassen.

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