Toller Beruf, wacher Geist, gutes Aussehen – und dennoch allein. Warum sind erfolgreiche Frauen viel öfter solo als erfolgreiche Männer?

Fast jeder hat sie in seinem Bekanntenkreis: Frauen mittleren Alters, attraktives Aussehen, selbstbewusste Ausstrahlung, erfolgreich im Beruf und seit vielen Jahren solo. „Sie steckt alle Energie in den Beruf“, heißt es dann häufig. „Für eine Beziehung hat sie keine Zeit“. Außerdem seien gebildete Frauen oft zu anspruchsvoll. Eine Akademikerin dürfe sich eben nicht nur auf Akademiker fixieren, sie solle offen sein fürs „Downdating“: Verabredungen mit Männern, die einen niedrigeren Bildungsstand haben als sie selbst.

Vergessen wird dabei gelegentlich, dass auch hier zwei dazugehören. Der Schreiner muss bereit sein, sich mit der Chefärztin einzulassen. Und von dieser Sorte Mann gibt es nicht allzu viele.


Erfolg macht attraktiv – aber meist nur Männer

Der Wiener Verhaltensforscher Karl Grammer untersucht seit vielen Jahren die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Eine seiner Erkenntnisse: Die meisten Frauen wünschen sich einen intelligenten Mann. Auf der Wunschliste des Mannes jedoch steht die Intelligenz der Frau auf den hinteren Plätzen. Daher kann sie mit den Eigenschaften, die ihr im Beruf zum Erfolg verhelfen – Intelligenz, Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit – in der Liebe nicht punkten. Im Gegenteil: Ist eine Frau einem Mann im Gespräch überlegen, schüchtert ihn das leicht ein.

So wählt ein Großteil der männlichen Akademiker eine weniger gebildete Frau zur Partnerin. Oft ist diese außerdem deutlich jünger. Denn während Frauen in der Regel einen ungefähr gleichaltrigen Partner bevorzugen, gilt das für Männer nur bis Mitte 30, sagt Grammer. Danach schauen sie sich verstärkt unter Frauen um, die 10 oder 15 Jahre jünger sind.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden, ist bei Frauen umso größer, je jünger sie sind – bei Männern dagegen, je mehr sie verdienen. Untersuchungen zeigen: Die Bevölkerungsgruppen mit den schlechtesten Chancen bei der Partnersuche sind berufstätige Akademikerinnen und männliche Hartz-IV-Empfänger.




Mut zum Unterschied

Um die alten Muster zu durchbrechen, braucht es ein starkes Selbstbewusstsein, und zwar bei beiden Partnern. Gebildete Singlefrauen, die nicht allein bleiben wollen, sollten daher die Augen offen halten nach selbstbewussten Kandidaten, auch wenn sie in puncto Bildung, Alter, Status oder Aussehen nicht ihrem Ideal entsprechen. Und Männer sollten sich bewusst machen, dass eine starke und gebildete Frau eine überaus interessante Partnerin sein kann.

Ein Ausweg aus dem Dilemma kann es sein, wenn die Frau sich mit einem deutlich jüngeren Mann zusammentut. Ein Mann, der das wagt, hat vermutlich genug Selbstbewusstsein, um auch den Statusunterschied wegzustecken.

  • Nita Tucker, Schluss mit Single über 40, Reichel Verlag, Dezember 2004, 15 Euro, ISBN-10: 3980870731
  • Daan van Kampenhout, Ich lasse mich finden: Wie mein Wunschpartner zu mir kommt, Carl-Auer-Verlag, Februar 2012, 15,95 Euro, ISBN-10: 3896705555.


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